+++ Hier klicken und tagesaktuelle Informationen und Buchungsbedingungen für Ihre Reise lesen +++
Faszination Titanic: Auf Spurensuche im Atlantik (Teil 2)

Faszination Titanic: Auf Spurensuche im Atlantik (Teil 2)

Auf dem Meeresboden des Nordatlantiks liegt heute die Ruhestätte der Titanic - ein Mythos, der wohl ewig in Erinnerung bleibt. Bereits in unserem ersten Teil haben wir spannende Mythen und Irrtümer über den Untergang des Ozeanriesens aufgedeckt. 
Lassen Sie sich im zweiten Teil unserer Titanic-Reihe mitreißen. 

 

Mythos: Weniger Rettungsboote als vorgeschrieben an Bord

„Wir haben so viele Jahre miteinander verbracht. Wo Du hingehst, da will auch ich hingehen. Wenn wir sterben müssen, dann sterben wir zusammen“ -  sollen die Worte der deutschstämmigen Ida Straus gewesen sein, als ihr Mann sie bat, in eins der Rettungsboote zu steigen. Das Paar wurde zuletzt lebend, friedvoll beieinander sitzend auf den Liegestühlen an Deck gesichtet, bis eine Welle diese bedingungslose Liebe auslöschte.

Dass die damaligen Vorschriften in puncto Rettungsboote veraltet gewesen sind, ist nicht neu. Dem ungeachtet verfügte die Titanic sogar über mehr Rettungsboote als gesetzlich vorgeschrieben. Ordnungsgemäß hätte man lediglich Boote für 756 Passagiere mitführen müssen -  die Titanic war jedoch mit 20 Rettungsbooten ausgestattet (14 Boote zu je 65 Personen, 2 Not-Boote für 40 Passagiere sowie vier Faltboote zu 47 Personen) - somit hätten im Grunde 1.178 Passagiere gerettet werden können. Trotzdem waren nicht genügend Plätze für alle Passagiere und Mitglieder der Besatzung vorhanden.

Aufgrund des leisen Aufpralls und den umgepumpten Wassermengen, die dazu führten, dass die Titanic sich erst einmal kaum neigte, bemerkten viele Gäste zunächst nicht wie verheerend der Zusammenstoß mit dem Eisberg wirklich war. Kaum einer verstand warum man die doch so komfortable Titanic gegen solch eine gebrechliche Schale tauschen sollte. Zugleich weigerten sich zahlreiche Frauen ihre Ehegatten und Söhne zurückzulassen. Daher wurden die ersten Boote mit lediglich 10–20 Personen besetzt, anstatt der vorgesehenen 65 Passagiere.

Letztendlich konnten die letzten beiden Rettungsboote nicht mehr frei gemacht werden, sodass die Frage bleibt, ob überhaupt mehr Boote auch gleichwohl mehr Passagieren das Leben gerettet hätten?

 

Mythos: Eine bevorzugte Rettung der Ersten-Klasse Passagiere

Eine offenbar unsterbliche Legende besagt, dass vorzugweise die Wohlbetuchten der ersten Klasse gerettet worden wären, während die ärmeren Passagiere ihrem Schicksal selbst überlassen wurden. Man kann wahrlich nicht verneinen, dass die Ersten-Klasse Passagiere bevorzugt behandelt wurden. Dennoch wurden die Zwischendeck-Passagiere nicht gewaltsam daran gehindert, auf das Bootsdeck zu gelangen. Dass an einigen Passagen des schwimmenden Palasthotels Gittertüren verschlossen waren, lag unglücklicherweise an den Einwanderungsgesetzen und dass Stewards den Dritte-Klasse-Passagieren den Zutritt verwehrten, lag an der Gepflogenheit des Schiffsbetriebes mit seiner ausgeprägten Trennung der Klassen.

Im Vergleich zu den wohlbetuchten Gästen, die sich bereits im oberen Teil des Schiffes aufhielten und infolgedessen umgehend informiert werden konnten, mussten die Passagiere der dritten Klasse ganz unten in der Gesellschaft und im Schiff durch ein Labyrinth von Korridoren, Treppenhäusern und Schleichwegen ihren Weg zu den Booten finden. Für viele kamen die Informationen auch zu spät, da sie es gewohnt waren, erst auf Anweisungen zu warten. Ebenso erschwerten ihnen Sprachbarrieren überhaupt das Ausmaß der Katastrophe zu verstehen.

Schlussendlich basierte der Verlauf der Rettung auf  der Maxime der britischen Seefahrt „Frauen und Kinder zuerst“ - und nicht wie unzählige Male, behauptet durch auf ein ausgeprägtes Klassendenken. In diesem Jahrhundert war das Sinnbild eines Gentlemen gelebte Realität an Bord. Vornehme Gelassenheit die oberste Tugend -  so ist es auch nicht verwunderlich, dass alle vier Milliardäre an Bord der Titanic ihr Leben gelassen haben.

Titanic-Notiz: Die letzte Überlebende des Unglücks, Millvina Dean, starb im Frühjahr 2009. Zum Zeitpunkt des Geschehens war sie erst zehn Wochen alt – als Passagierin Dritter Klasse überlebte sie zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, ihr Vater starb.

 

Mythos: Wie war das mit dem Schiff, das nicht zur Rettung kam?

In der Nacht der schicksalsschweren Katastrophe entdeckten viele Überlebende der untergehenden Titanic Lichter. Lichter so strahlend hell, dass einige der Überzeugung waren, sie sahen Schiffslichter. Andere wiederum meinten, es sei bloß ein besonders heller Stern gewesen. Da der versuchte Funkkontakt mit dem angeblichen Schiff keine Reaktion hervorrief sowie auch traditionelle Notsignale wie Raketen und Morsezeichen nicht beantwortet wurden, verordnete Kapitän Smith mit den Rettungsbooten auf die Lichter zuzufahren und dem fremden Dampfer von der sinkenden Titanic zu berichten. Doch das hoffnungsvolle rettende Licht verschwand.

Bereits im April 1912 wurde umfassend nach dem mysteriösen Schiff gesucht, das angeblich in der Nähe der Titanic war und dessen Notsignale übergangen hatte. Nach einer intensiven Suchaktion wurde ein verdächtiges Schiff ausfindig gemacht: Die Californian, ein Handelsschiff der ebenfalls britischen Leyland Line. Doch der Funker der Californian hatte seinen Dienst bereits beendet, folglich hatte man die Hilferufe der Titanic nicht mehr empfangen können. Mitglieder der Besatzung bestätigten vor dem Untersuchungsausschuss, dass sie in jener Nacht Lichtraketen am Himmel sahen, welche man als Feuerwerk oder Sternschnuppen abgetan hatte. Die ermittelten Positionen lagen wiederum zu weit entfernt voneinander als dass sich die beiden Schiffe unmittelbar gesehen haben konnten. Allerdings hatte die Californian nicht alleine die von der Titanic abgefeuerten Raketen gesehen, auch der Dampfer Mount Temple soll in jener Nacht die Notraketen gesichtet haben, ohne weiter darauf zu reagieren. Diese Gerüchte wurden im Gegensatz zu den Vorwürfen gegenüber der Californian nur begrenzt untersucht sowie vom Kapitän der Mount Temple als unbedeutend abgetan.

Publik ist, dass in den Morgenstunden des 15. April 1912 in jenem Seegebiet neben dem Rettungsschiff Carpathia auch die Mount Temple sowie die Californian sich gegenseitig gesehen haben. Als der Funker der Californian in den frühen Morgenstunden seinen Dienst wieder antrat und von dem verheerenden Unglück erfuhr, machte sich die Californian unmittelbar doch leider zu spät auf den Weg zur Notrufposition. Dabei sichtete sie ein weiteres Schiff, die Almerian, die sich auch in jenem Seegebiet aufgehalten hatte, aber von der Katastrophe der Titanic nichts wusste, da sie über keine Funkstation an Bord verfügte.

Bis heute konnte nicht eindeutig bewiesen werden, welches Schiff sich in der Nähe der Titanic positioniert und keinen Rettungsversuch unternommen hatte – sofern das helle Licht nicht doch nur ein Stern gewesen ist.

Titanic-Notiz: Im Hinblick auf das mysteriöse Schiff gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Berichte, dass es sich dabei um einen Kutter handelte, dessen Besatzung sich mit einer Fracht Robbenfelle auf der Rückreise von der kanadischen Küste nach Norwegen befand. Da die Besatzung aber keine Genehmigung für die Robbenjagd besaß, war ihre einzige Sorge, der kanadischen Küstenwache zu entkommen. Der Kutter verfügte über keine Funkstation und deutete die Notraketen als Warnung der Küstenwache, weswegen er unmittelbar seinen Kurs änderte. Erst nach Ankunft in Oslo erfuhr die Besatzung vom Untergang der Titanic. Angeblich hinterlegte der Kapitän des Kutters ein offizielles Bekenntnis, welches nach seinem Tod verlesen wurde.

 

Bewertung
Noch keine Bewertung
Themen
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?